DesertWars - Desert Of Mind

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  TANTRA
Lehre einer mystischen indischen Religion
 

Tantra ist eine religiöse indische Strömung, die etwa seit dem Jahre 500 n. Chr. den Buddhismus und Hinduismus beeinflusste. Nach der Lehre der Tantra weist die Wirklichkeit zwei polare Aspekte auf: Geist und Natur, aktives weibliches und passives männliches Prinzip, oft auch Shiva und Shakti genannt, auf. Fußend auf dem Glauben an die Übereinstimmung von Makrokosmos (Universum) und Mikrokosmos (Mensch), ist das Ziel des Heilweges die Realisierung der ursprünglichen Einheit als Selbstverwirklichung oder Erlangung des kosmischen Bewusstseins. Als Mittel hierzu dienen esoterische Riten, Yoga-Übungen, die Betrachtung heiliger Formen (Götter, Mandalas, Yantras), die Rezitation heiliger Silben (Mantra) und im sogenannten "linkshändigen Tantra" auch der rituelle Genuss von Wein, Fleisch, Fisch, Getreidekörner und Geschlechtsverkehr.



Philosophie

Tantra ist das Land der Unmittelbarkeit und des Lächelns. Eine achtsame Berührung, ein zarter Duft, eine kraftvolle Bewegung - und Stille, aus der die Verbindung von Herz, Sex und Geist erfahrbar werden kann.

Die Philosophie des Tantra nahm ihren Ursprung vor tausenden von Jahren in Asien.

Tantra sieht das Männliche und Weibliche als zwei Pole an, die im innersten Wesen jedes Menschen danach streben, in Balance zu sein. Symbolisiert wird dies in der Umarmung von Gott Shiva und Göttin Shakti. Ihre Verschmelzung ist vollkommene Glückseligkeit - Hingabe und Eins-Sein mit allem.

Der "göttliche Funke" und alles erdenkliche Potential des Lebens sind in uns, in unserem Körper bereits angelegt. In der tantrischen Tradition wird der Körper darum als ein Tempel geehrt. Er ist wonnevoll und sinnlich, steter Gefährte und Quelle der Lebensfreude.

Liebe, Sexualität und Partnerschaft sind zentrale Themen im Leben. Tantra lehrt uns die verschiedenen Aspekte des Frau-Seins und Mann-Seins zu erkennen, anzunehmen und für uns selbst und andere mit Herz und Sinn zu nutzen.

Tantra ist einfach und direkt. Es ermutigt dich lustvoll und ehrlich und voll Vertrauen zu leben.


Ziel des Tantra

Tantra ist die Lehre von der Entfaltung der Liebe im Menschen. Damit ist die Liebe in all ihren wunderbaren Facetten gemeint - die erotische Liebe, das herzoffene Mitfühlen, die ganzheitliche Liebe, die sich auf alle Lebewesen des Kosmos erstreckt; die Liebe in all ihren schillernden Zwischentönen, mit denen sie unsere Existenz wie ein schöner Regenbogen überspannen kann.

Typisch tantrisch

Tantra ist keine Religion im althergebrachten Sinne. Es gibt im Tantra keine Entsagung, keine Abwertung des Weltlichen, keine Diskriminierung der Frau, keinen Katalog von Bestrafungsandrohungen und keine Forderung zur Unterwerfung unter eine bestimmte Gottesvorstellung. Tantra bejaht das Leben, vergöttert das Weibliche und erklärt den Körper zur verehrungswürdigen Inkarnation des Göttlichen. Die Sexualität gilt im Tantra als heilige, heile und einende Kraft.

Bodenständige Spiritualität

Das Göttliche ist nach tantrischer Vorstellung überall sichtbar, fühlbar, hörbar, riechbar inkarniert. Es ist nicht außerhalb von uns und wohnt nicht über den Wolken. "Hier in deinem Körper sind die Heiligen Flüsse." (Saraha Tantra)

Die tantrischen Übungen befähigen dazu, das Göttliche in jedem Leben um einen herum und in dem Leben in sich selbst wahrzunehmen. Tantra nimmt den Begriff "Religio" wörtlich. Religio = Verbindung mit dem göttlichen Ursprung.

Männliches und Weibliches vereinen

Um die scheinbaren Gegensätze des Männlichen und des Weiblichen wieder zusammen zu bringen, hat Tantra eine Vielzahl von Techniken, Ritualen und Meditationen entwickelt. Darin kehrt die Seele vorübergehend zur Ur-Einheit zurück, wo männlich und weiblich nicht getrennt sind. In der Ur-Einheit erlebt die Seele tiefen Frieden, Glückseeligkeit und Nirwana. Sie erholt sich vom Schmerz der Spaltung in Mann und Frau. Jedoch: Es ist nicht die Inkarnation in menschlicher Form, die an dieser Spaltung Schuld ist. Schuld ist jene Konditionierung, die beide Geschlechter zwingt, ihre jeweils andere Hälfte in ihrem Inneren zu vernachlässigen oder abzulehnen. Der Mann, der seine weibliche Seite ablehnt, versucht das Weibliche im Außen von der äußeren Frau zu bekommen. Die Frau verfährt mit dem Mann in gleicher Weise.

Aber das bedeutet Konflikt und Krieg. Denn die Frau will nicht nur auf ihre eine Hälfte reduziert werden; der Mann will nicht nur auf eine Hälfte reduziert werden. Niemand will nur ein halber Mensch sein. Frauen und Männer sehnen sich gleichermaßen nach Ganzheit.
Der Körper

Tantra sagt, dass auf dem Weg der menschlichen Vervollkommnung der Körper zurückgewonnen werden muss. Der Körper ist zwar nicht alles, aber ohne den Körper ist alles nichts - zumindest hier auf der Erde. Der Körper wird nur dann zum Hindernis auf dem Weg der Gotteserkenntnis, wenn man ihn bekämpft und Heiliges und Körper in "gut" und "schlecht" spaltet. Wenn Tantra sagt "Du bist der Körper", ist nicht damit gemeint, dass der Körper nur unbeseelte Materie ist. Das Göttliche hat sich körperlich auf diesem Planeten inkarniert, um das Leben in körperlicher Form zu erfahren. Mit Höhen und Tiefen, Wonne und Schmerz, Liebe und Alleinsein, Gesundheit und Krankheit, Vollkommenheit und Unvollkommenheit, Geburt und Tod.

"Du bist der Körper" ist ein Versuch, der Einheit von Gott und Mensch/Materie Ausdruck zu verleihen. Zu sagen "Du hast einen Körper" statt "Du bist der Körper" führt bereits eine Spaltung ein - als wäre der Körper nicht göttlich.

Sinnlichkeit

Tantra ist sinnlich. Tasten, Riechen, Schmecken, Hören, Sehen werden vom Tantra kultiviert und zelebriert. Schöne Düfte, Musik, Tanz, kulinarische Köstlichkeiten, sinnliche Massagen, Malerei, Schmuck et cetera sind nach dem Geschmack von Tantra.

Wenn Sinnlichkeit nicht sein sollte, hätten wir vom Göttlichen gar keinen sinnlichen Körper bei der Geburt erhalten.
Tantra betrachtet es darum als göttlichen Willen, dass wir unsere Sinne gebrauchen, verfeinern und in höchster Form genießen. Ein tantrischer Ur-Text sagt sogar:

"Wer allen Sinnengenüssen dient, erlangt die Buddhaschaft." (Guhyasamaja Tantra)

Die Sinne gelegentlich jeglicher Reizung zu entziehen, ist für Tantra kein Widerspruch. "Kurzzeitaskese" - ein yogisches Element im Tantra - ist eine wohltuende "Atempause" und erneuert und erfrischt das sinnliche Empfindungsvermögen. Angesichts der abstumpfenden Reizüberflutung der modernen Welt lehrt das Tantra Achtsamkeits-Übungen und Meditation.

Übung

Tantra vereinigt die beiden Aspekte von Lust und Disziplin zu einem für jeden Menschen beschreitbaren Übungsweg. Im Laufe seiner zweitausendjährigen Entwicklung hat Tantra eine reichhaltige Vielfalt von Techniken, Ritualen und Meditationen hervorgebracht. Dazu gehört auch Yoga.

Yoga ist ein Weg der Disziplin. Er stützt sich auf genaue Anweisungen zur Ausbildung körperlicher, sinnlicher und übersinnlicher Kräfte. Das ermöglicht dem Übenden ein schrittweises und ungefährliches Voranschreiten ohne Überforderung. Auf dem sicheren Boden der Disziplin entfaltet sich das Spielerische und Ungezwungene zu höchster Lust und Ekstase. Spontaneität, Humor und Spaß bekommen dabei eine besondere Qualität.

Einheit des Lebens

Tantra ist eine Advaita-Lehre (Lehre von der Nicht-Dualität). Das Leben scheint Gegensätze hervorzubringen:

  • Shiva - Shakti
  • Mond - Sonne
  • Schwarz - Weiß
  • Nacht - Tag
  • Nord - Süd
  • Kalt - Warm
  • Einatmen - Ausatmen
  • Körper - Bewußtsein
  • Materie - Geist
  • Unten - Oben
  • Yoni - Lingam (Scheide - Penis)
  • Frau - Mann
  • Mensch - Gott
Aber hinter diesen Gegensätzen existiert nur das Eine: Göttlichkeit. Darum gibt es auch für die Tantriker nichts Schlechtes oder Falsches, von dem sie sich absondern müssten. Es gibt keine Moralbücher, zehn Gebote oder Propheten.

Das Leben selbst ist der Meister. Unterdrückung und Kampf haben im Tantra keinen Stellenwert. Denn Tantra sieht nichts Schmutziges, Verkehrtes oder Verwerfliches in dieser Existenz. Das Herz des Tantrikers ist so weit, dass alles darin Platz findet. Es ist ein Gefäß, das die gesamte Schöpfung aufnimmt. Der Geist des Tantra ist also höchste Verehrung allen Lebens - egal ob es sich schwarz oder weiß, schön oder hässlich, jung oder alt, wonnevoll oder schmerzlich manifestiert. Tantra lehrt, sich hinzugeben und mitzufließen, ohne Widerstand zu leisten. Das ist der Weg zur Ekstase - zur höchsten Glückseligkeit. Anders ausgedrückt: "Mahamudra ruht auf Nichts, ohne jede Anstrengung." (Tilopa, Meister des tibetischen Tantra)

Tantra ist aber nicht naiv. Es erkennt an, dass es auch andere Lebensäußerungen gibt, so etwa zerstörerische Aspekte wie Wut oder Zorn, die ebenfalls Teil der göttlichen Energie sind. Da wo Unterdrückung stattfindet, ist es gerecht, zu kämpfen. Da, wo ein schwaches Wesen misshandelt wird, darf Wut auflodern. Dafür stehen im Tantra etwa der schwertschwingende Buddha Manjushri und die zornige Göttin Kali.



Herkunft und Entwicklung in der Moderne

Tantra hat seinen Ursprung im frühen Indien und blühte erstmalig voll in der Indus-Hochzivilisation auf. Schon damals war sie auch eng mit Yoga verwoben. Im indischen Mittelalter entwickelte sich erneut eine Tantra-Kultur, die mit zahlreichen Tempeln, Schulen, Kunstakademien und Kommunen ein bedeutsames Gegengewicht gegen die immer patriachaleren indischen Mehrheitsgesellschaft bildete. Aber dieses Gewicht war nicht stark genug, sodass Tantra unter dem Einfluss der Hindu-Orthodoxie erneut verschwand, aber dennoch überlebte. In kleinen spirituellen Gruppen und von Einzelpersonen wurden und werden die überlieferten Traditionen bis heute gehütet und zelebriert.

In den Westen gelangte Tantra erstmals im 20. Jahrhundert durch spirituell aufgeschlossene Gelehrte - wie Arthur Avalon beziehungsweise John Woodrove, dem Autor des Kundalini-Buches
"Die Schlangenkraft" - die Tibet und den indischen Subkontinent bereisten und in das tantrische Wissen eingeweiht wurden.

Aber vor allem wurde Tantra bei uns natürlich durch Osho (Baghwan Rashneesh) bekannt. Dessen "Buch der Geheimnisse", "Die Tantrische Transformation" und "Mahamudra – Die Höchste Einsicht" sind heute die wichtigsten Klassiker der Tantra-Literatur in Europa.

Oshos Schülerin Margo Anand begann in den siebziger Jahren, Tantra mit großem Erfolg auch in Seminargruppen zu unterrichten. Sie löste einen wahren Boom aus, dessen Ausdruck eine heute große und bunte Landschaft neuer Tantra-Schulen ist, die sich über ganz Europa und den nordamerikanischen Kontinent verbreitet haben.



Die drei Nadis (Energiekanäle)

Es gibt laut dem Tantra drei Hauptenergiekanäle in uns, durch die subtile Energie fließt.
Dem Ida Nadi und Pingala Nadi werden wichtige Funktionen des sympathischen Nervensystems zugeschrieben, während der Sushumna Nadi über die Chakren die Funktionen der Organe kontrolliert (größtenteils Funktionen des parasympathischen Nervensystems).

Ida Nadi
Der linke Kanal steuert unsere Psyche, unsere Wünsche, Emotionen, Konditionierungen und die Vergangenheit. Seine Aufgabe ist es, uns von Gefahren zu schützen.

Pingala Nadi
Der rechte Kanal steuert unseren Körper, unsere Gedanken, Taten, Pläne und die Zukunft. Er ist verantwortlich für unser Überleben.

Sushumna Nadi
Der mittlere Kanal steuert als geistiger Kanal autonome Funktionen wie z.B. die Atmung und den Herzschlag. Er dient als Kanal für die Kundalini und ist verantwortlich für unsere Evolution.



Die Alchemie des Bewußtseins

Nach tantrischer Auffassung identifiziert sich das menschliche Bewußtsein mit der Materie. Das Energiezentrum jenes schlafenden Bewußtseins befindet sich an der Basis der Wirbelsäule. Durch das Wissen und die Methoden des Tantrismus soll das subtile Zentrum des Bewußtseinsschwerpunktes im Körper immer höher angehoben werden, von Chakra zu Chakra, bis es sich seines göttlichen Ursprunges bewußt wird.



Die sieben Chakren (Energiezentren)

Chakren sind laut Tantra die Sinnesorgane der Seele, während ihrer Existenz im Körper. Diese Sinnesorgane generieren Energie durch eine feine, unsichtbare Rotationsbewegung (Chakra = Rad!), mit der sie die Grundvibration aus dem unendlichen Raum filtern und sie als Information an unsere Körperzellen, Drüsen, Nerven, Lymphe, Organe usw übertragen.

Tantra befasst sich mit den sieben Hauptchakras und deren harmonischer Ausrichtung.

Das Muladhara-Chakra ist das Basiszentrum. Aus ihm wird die körperliche Existenz geboren; das Leben des Körpers und der Sinne, welches zeitlich und räumlich beschränkt ist. Auch aus dem siebten Chakra wird Leben geboren. Dieses Leben ist reine Energie und damit frei von Zeit und von Raum - das heißt ewig. Und zwischen diesen beiden Zentren spannt sich ein breiter Bogen der unterschiedlichsten Ausdrucksformen des lebendigen Seins. Tantra hilft dabei, das Leben in allen Spielarten zu erfahren. Die ganze Schöpfung als ein Spiel Gottes - "Leela", wie die Inder sagen.



Das Muladhara-Chakra: das Geburtsrad

Das unterste Chakra ist das Muladhara Chakra. Es ist der Sitz der schöpferischen Energie im Menschen. In ihrer untersten Manifestationsform ist diese schöpferische Kraft Triebkraft, verfeinert wird sie zur künstlerischen Intuition, zur Liebe, um in ihrer höchsten Manifestation sich in All-Liebe mit Shiva zu vereinigen.

Die schöpferische Energie wird im Yoga Kundalini genannt, dargestellt als Schlange oder weibliche Göttin (bzw. Dakini/Hexe). Im Muladhara Chakra ist die Kundalini noch schlafend, was ihr magisches, spirituelles Potential anbelangt. In dreieinhalb Umschlingungen umfaßt sie den Shiva Linga, Symbol der Zeugungskraft Shivas.

Im Muladhara befindet sich auch der erste Knoten von Ida und Pingala (ein Punkt, an dem beide, Ida und Pingala die Sushumna (Wirbelsäule) kreuzen. Dieser Kreuzungspunkt Brahma Granthi (Knoten Brahmas) wird auch Mukta Triveni genannt, die Quelle der inneren Entsprechungen der Flüsse Ganges und Yamuna und Saravati (mythologischer Name der erwähnten 3 Nadis Ida, Pingala, Sushumna).

Später treffen diese drei Nadis einander wieder im Anahata Chakra und im Ajna Chakra.


Yantra vom Muladhara Chakra

Nachfolgend einige Übersetzungen aus der "Hatha Yoga Pradipika", welche die Bedeutung des Atmens, die Erweckung der Kundalini und die wichtigsten Nadis in ihrer zusammenfassenden Bedeutung für den Yoga bringen. (Aus: "The Hatha Yoga Pradipika", translated into English by Pancham Sinh, Munshiram Manoharlal Publishers PVT. LTD, New Delhi, 2nd Ed. 1975)



103.
Ida wird die Göttin Ganges genannt, Pingala als Göttin Yamuna. In der Mitte von Ida und Pingala ist die noch kindhafte Witwe Kundali.



104.
Die schlafende Sie-Schlange (gemeint ist die Kundalini) sollte erweckt werden, indem man ihren Schwanz zu fassen bekommt. Durch die Kraft des Hatha verläßt die Shakti (andere Bezeichnung für Kundalini) ihren Schlafplatz und begibt sich nach oben (gemeint ist die Sushumna aufwärts).



105.
Die Sie-Schlange befindet sich im Muladhar (Wurzelchakra). Sie sollte gefangen und täglich bewegt werden, morgends, abends auf eine halbe Stunde durch Luftzufuhr über Pingala, mit Hilfe der Paridhana Methode.

Lage: Genitalien-Wurzel (vorne), Lendenwirbel 4 + 5 (hinten)
Farbe: Blau
Element: Wasser
Symbol: Elefant
Planet: Erde



Svadistan-Chakra: das Todes-Rad

Ein merkwürdiger Name, der zugleich "Sitz des Selbst" bedeutet. Svadistan bedeutet der Ort, wo du wirklich existierst. Der Körper nach tantrischer Auffassungwird aus dem ersten Zentrum - muladhar - geboren. Wenn du stirbst, verschwindet er. Aber du? Du - dein Selbst - verschwindet nicht. Wenn ein Mensch stirbt, wird seine gesamte psychische Energie aus dem Svadistan-Chakra freigesetzt. Der Tod tritt ein, aber niemand stirbt. Der Körper wird wieder zu Erde und gibt das Selbst frei. Das Selbst - die Seele - ist todlos. Die Tantriker haben das Selbst gründlich erforscht. Sie haben es Svadistan genannt - den Tod - , denn wenn du stirbst, weißt du, wer du bist.

Stirb in der Liebe, in der Meditation, im Orgasmus, im Ritual, im Anblick des Sonnenuntergangs und du erfährst, wer du bist. Das Thema Tod wird häufig gemieden. Es ruft große Angst hervor. Man versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Dadurch verkrampft dieses Chakra und die Energie bleibt stecken. Nur die Akzeptanz des Todes kann es entspannen. Im Moment der Entspannung fließt die Energie in das nächste Zentrum weiter.


Lage: zwei Zentimeter über dem Schambein
Farbe: Rot
Element: Feuer
Symbol: Kreis
Planet: Pluto/Saturn



Manipura-Chakra: das Gefühls-Rad

Manipura bedeutet auch der Diamant. Unsere Gefühle sind Diamanten, die das Leben reich machen. Darum wird im Tantra viel an diesem Zentrum gearbeitet. Tantra will unseren ganzen Gefühlsreichtum erschließen. Die Schönheit des Lachens, die Schönheit der Tränen, die Schönheit ehrlicher Wut, die Schönheit eines strahlenden Gesichtes können aussagekräftiger als tausend Worte sein. Ein kleines ehrliches Lachen, und du brauchst nichts weiter zu sagen. Eine Träne, und nichts muss mehr hinzugefügt werden. Ein Aufschrei, und kein Wort könnte besser verdeutlichen, was mit dir ist.

Wir haben gelernt, unseren Gefühlsausdruck zu drosseln - nicht gefühlvoll zu sein, weil sich Gefühle nicht auszahlen. Wenn du lachst, hat niemand Angst vor dir. Wenn du weinst, wirst du für schwach gehalten. Uns wurde anerzogen, dass wir uns gegen die anderen durchzusetzen haben - mit Angst-Einflößen, mit Härte.

Eine wesentliche Bedeutung besitzt dieses Zentrum im taoistischen Yoga, der nicht mit Chakras arbeitet. Es ist hier der Feuerkessel des Herzens (Herz als Sitz der Emotionen und Gefühle) Teilweise entspricht dies dem Anahata Chakra, teilweise jedoch auch dem Manipura Chakra. Eindeutig ist jedoch die Rolle des "Dreifachen Erwärmers" in der Akkupunktur und im taoistischen Yoga. Dieser liegt drei Fingerbreiten unterhalb des Nabels.

Das Manipura Chakra ist deshalb von so zentraler Bedeutung, weil es dem Element Feuer entspricht (bzw. im Taoismus ein sehr wichtiger Energiepunkt ist). Sämtliche Kundaliniübungen - und diese haben ja die Aufgabe die Chakras zu beleben und zu aktivieren, beginnen mit Hitze, Hitzeimaginationen, Muskelarbeit, welche physische Wärme an relevanten Stellen erzeugen soll, Atemübungen, welche ebenfalls Energien und Hitze erzeugen sollen.

Lage: zwei Zentimeter über dem Bauchnabel
Element: Erde
Farbe: Orange-Braun
Symbol und Planet: Sonne



Anahata-Chakra: das Herz-Rad

Das Herz ist die Brücke zwischen den drei unteren und den drei oberen Zentren. Es verleiht allen Qualitäten den Herzensaspekt, wenn es entfaltet wird. Ohne den Herzensaspekt der Liebe ist die Sexualität stumpf, und auch die Spiritualität ist stumpf.

Das Anahata-Chakra ist von großer Bedeutung. Denn durch das Herz ist der Mensch am Anfang mit seiner Mutter verbunden. Die Liebe der Mutter ist bedingungslos und versorgt das Kind wie Nahrung.

Diese Art von Liebe versuchen auch die Gurus die Menschen zu lehren. Es ist nicht die begrenzte Liebe, die kaum mehr ist als Sympathie, Begehren und Zuneigung. Das sind egobezogene Aspekte der Liebe, die durchaus zu uns gehören und auch gelebt werden sollten. Aber die Energie im Herz-Chakra ist mehr die mütterliche Form von Liebesenergie.

Hingebungsvoll, verständnisvoll, verzeihend, vertrauend. Sie bringt einen kaum hörbaren, göttlichen Ton hervor: OM. Er lässt sich entdecken, wenn du sehr aufmerksam in deinem Inneren auf ihn lauschst. Bhakti-Yoga ist der Weg des Herzens. Mantra-Singen, Zärtlichkeit, Andacht und Meditation öffnen die Blüte des Herzens wie einen Lotos.
Tantra sagt:
"In der Brahma-Burg des Leibes ist ein kleiner, juwelhafter Raum... eine zarte Lotosblüte - das Herz. In ihm kommen Himmel und Erde zusammen." (brahma-upanishad)
Lage: Brustmitte (vorne), Brustwirbel 6-8 (hinten)
Element: Luft
Farbe: Grün
Symbol: Sechseckiger Stern
Planet: Venus



Visuddhi-Chakra: das Stimm-Rad

Das Vishuddha Chakra wird mit dem magischen Wort, dem Mantra in Verbindung gebracht. Als 5. Chakra steht es für das Element Äther (Akasha).

Das Vishuddha Chakra liegt in der Halsgegend (Laryngeal- und Pharyngealplexus, an der Verbindung des Rückgrats mit dem verlängerten Mark), Sitz des Atems udana und des bindu.
Symbolik: Ein sechzehnblättriger Lotus von der Farbe roter Asche. In dem Lotus ein blauer Raum als Symbol des Elements akas‘a (Äther, Raum) mit einem weißen Kreis in der Mitte, der einen Elefanten umschließt. Auf dem Elefanten ruht das bija- mantra h (hang) und trägt Sadashiva halb aus Silber, halb aus Gold, denn der Gott ist unter seinem androgynen Aspekt (ardhanarisvara) dargestellt. Auf einem Stier sitzend trägt er in seinen vielen Händen eine Menge von Gegenständen und Emblemen, die ihm eigen sind (vajra, Dreizack, Glocke usw.). Die Hälfte seines Körpers bildet die Sada-Gauri mit zehn Armen und fünf Gesichtern (davon jedes mit drei Augen).
Das vis‘uddha cakra steht in Verbindung mit der Farbe Weiß, dem Äther (akasha), dem Klang, der Haut usw.

Dieses Chakra blüht erst richtig auf, wenn Liebe eingetreten ist, wenn die Energie vorher das Herz-Chakra passiert hat. Dann sind deine Worte voller Süße, dann schwingt in ihnen etwas Erhebendes. Dann ist alles, was du sagst, absolute Musik und Harmonie. Tantrische Übungen wie Mantra-Singen führen durch das Herz-Chakra zum fünften Zentrum hindurch. Sprichst du aus der Liebe heraus, ist es tantrisch - andernfalls nicht. Andernfalls ist Schweigen besser. Aber viele sprechen trotzdem und es kommt nur hässliches Zeug dabei heraus. Sie verwandeln das Wort in ein Mittel der Manipulation und Machtgewinnung. Das ist nicht die tantrische Zielsetzung. Wenn der Weg abgekürzt und das Herz-Chakra umgangen wird, wird die Energie im Visuddhi-Chakra einseitig und egoistisch.
Lage: Schilddrüse (vorne), Nacken-WS (hinten)
Element: Äther
Farbe: Gelb
Symbol: Mondsichel
Planet: Merkur/Uranus



Ajna-Chakra: das Dritte Auge

Das Ajna Chakra (sechstes Chakra) liegt zwischen den Augenbrauen und hat in den indischen Darstellungen zwei Blütenblätter, wobei eine Hälfte rosarot mit goldgelben Einschlag ist und die zweite Hälfte lila-blau.

Das Ajna Chakra hat ein Gegenchakra im verlängerten Rückenmark:


7.) Ajna Chakra, 8.) Chakra "Verlängertes Rückenmark"

Die Bedeutung von Ajna Chakra und Ch. Verlängertes Rückenmark, nach P. Yogananda in "Wiss. Heil-Meditationen":

Bei Heilmeditationen, in denen man Willenskraft anwendet, soll man die Aufmerksamkeit auf die Stelle zwischen den Augenbrauen richten; bei Heilmeditationen, in denen man mit gedanklichen Vorstellungen arbeitet, auf das verlängerte Rückenmark; und bei Heilmeditationen, in denen man seine Hingabe erweckt auf das Anahata. Mit der Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit ganz von selbst auf diese Zentren.

Das verlängerte Mark und die Stelle zwischen den Augenbrauen sind in Wirklichkeit der positive und der negative Pol ein und desselben Zentrums, in welchem die intelligenzbegabte Lebenskraft regiert.
Zuzeiten wies Paramhamsaji seine Schüler an, sich auf die Stelle zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren und zu anderen Zeiten auf das verlängerte Mark. Wenn sich der Blick mit ruhiger Konzentration auf die Stelle zwischen den Augenbrauen richtet, fließt der Strom (Odlohe) aus beiden Augen zuerst auf das Ajna Chakra und von dort auf das verlängerte Mark.
Dann schaut man das "einfältige" astrale Lichtauge des verlängerten Marks.

Ajna heißt "Ordnung". Du wirst von der göttlichen Ordnung durchdrungen, trittst ein in den Zustand der Weisheit und der Meisterschaft. Die Energie ins sechste Chakra zu lenken, versetzt dich in die Fähigkeit, göttliche "Wunder" geschehen zu lassen. Aus dem, was du sagst, werden Tatsachen. Aus Wünschen wird Realität. Du siehst oder fühlst Dinge voraus und kannst in das Schicksal eingreifen. Im Tantra entfaltet sich diese Fähigkeit jedoch erst, wenn zuvor das vierte und das fünfte Zentrum durchdrungen worden sind. Im vierten stirbt das Ego, im fünften werden alle Unreinheiten transformiert. So wird der Gefahr des Schadenszaubers und dem Übel der Angeberei vorgebeugt. Tantra lehrt auf dieser Stufe die erhabene Praxis des Raja-Yoga (="Königlicher Yoga").

Lage: Nasenwurzel
Element: Äther
Farbe: Silber
Symbol: Auge
Planet: Uranus/Neptun



Sahasraha-Chakra: der tausendblättrige Lotos

Durch dieses Chakra geschieht die bewusste Verschmelzung mit dem Göttlichen. Man könnte es auch "Nirwana-Chakra" nennen. Gelangt die Energie in diesem Chakra zur vollen Entfaltung, passiert das Eins-Werden des Menschlichen und des Göttlichen, des Männlichen und des Weiblichen, des Materiellen und des Spirituellen. Die Ur-Einheit, wo nichts als ewiger Frieden und höchste Glückseligkeit herrschen, wird wiedererlangt. Im Tantra führt man dies durch Praxis des Maithuna-Vereinigungsrituals herbei. Mann und Frau vereinigen sich zur Ganzheit, zum All-Eins-Sein.

Lage: Fontanelle
Element: alle Elemente
Farbe: Gold
Symbol: Lotos
Planetensystem: Milchstraße



Kommentare

Annie Sprinkle
Ex-Porno-Star, feministische Lust-Aktivistin und Workshop-Leiterin
«Tantra hat eine Menge mit dem Herzen zu tun. Es ist auch Sieben-Chakren-Sex. Ich mag das Wort, weil ich es nicht genau erklären kann, weil es so viele Bedeutungen hat, und diese sich immer wieder ändern.»

Joe Kramer
Leiter des EroSpirit Research Institute
«Tantra ist mein spiritueller Weg. Es ist mein Weg, mir der Schwingungen meines Lebens und des Lebens überhaupt bewusst zu sein, diese Schwingungen zu verfeinern und schliesslich mit ihnen eins zu werden.»

Andro
Tantra-Lehrer
«Tantra ist der Sinnenweg. Erleuchtung finden durch die Sinne. Aufhebung der Gegensätze in der Ekstase durch die sexuelle und mentale Vereinigung von Mann und Frau. Für den Tantriker und die Tantrikerin ist der Körper Tempel, Gral, heiliges Gefäss, um das Göttliche zu erfahren, um an der ultima ratio teilzuhaben. Tantra lehrt daher die Vereinigung der Gegensätze – Maithuna –, das ist die unio virilis par excellence auf Dauer. Daher ist die Anbetung der Schöpfung höchster Gottesdienst und zugleich ekstatisch im Vollzug.»

Sergius Golowin
Freier Schriftsteller
«Die echte Tantra-Praxis war zweifellos bei den Himalaja-Kulturen, die dann durch die Nomadenstämme in die weite Welt verbreitet wurde, der Gewinn des Gefühls des Liebens und Lebens der ganzen Welt – den man durch einen anderen Menschen als das schönste, auf Erden mögliche Geschenk bekam.»

Josef Dvorak

Freier Forscher, Publizist und TV-Satanologe
«Unter Tantra verstehe ich die Destillation des inkarnierten Geistes aus dem Fleisch.»

Aman Schröter
Seminarleiter in SkyDancing Tantra, Postural Integration, Männerarbeit und Wassertanzen
«Tantra ist der Königsweg zur Erleuchtung, der über die Sexualität führt – über die Wandlung sexueller Energie.»

Eva Szabo
Therapeutin und Leiterin von Tantra-Gruppen
«Tantra ist sexuelle Heilung, d.h. die Wiederentdeckung unseres erotisch-sexuellen wilden Selbst. Tantra ist die Erfahrung, dass unser Körper ein millionenfach schwingendes Universum ist, zur Einheit verwoben mit unserer Seele. Tantra ist für mich als Frau die immer tiefergehende Verbindung mit meiner ursprünglichen weiblichen Identität und zugleich das Erkennen des inneren Männlichen – ein Weg zur psychischen Ganzheit. Und immer wieder ist Tantra ein Verweilen in der Freude des Seins in noch so vielen Situationen des Lebens.»


Web-Links

Saraha - Tantra Seminare
Liebeslexikon - Tantra
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